Die Taufe

In seinem Großen Katechismus schreibt der heilige Robert Bellarmin:  




S: Beginnen Sie nun, wenn es Ihnen recht ist, das erste Sakrament zu erklären, und sagen Sie mir zuerst, warum es Taufe („baptisma") heißt!

L: Dieser Begriff „baptisma" ist ein griechisches Wort und heißt übersetzt Waschung. Die heilige Kirche wollte jedoch diesen griechischen Begriff verwenden, da der Begriff Waschung zu gewöhnlich ist und er täglich für die banalsten Dinge gebraucht wird. Damit dieses Sakrament also einen eigenen Namen hat und klarer unterschieden und höher geschätzt wird, wurde es Taufe, „baptisma" genannt.

S: Was braucht man, um die Taufe zu spenden?

L: Man benötigt mindestens drei Dinge. Merkt sie euch gut! In bestimmten Notfällen kann nämlich, wie wir gleich sehen werden, jeder taufen. Darum ist es gut, wenn auch jeder weiß, wie es geht. Erstens braucht man echtes, natürliches Wasser; damit übergießt man denjenigen, den man tauft. Zweitens muss man im gleichen Moment, da man das Wasser über ihn gießt, folgende Worte sprechen: Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Drittens ist es erforderlich, dass derjenige, der tauft, wirklich die Absicht hat zu taufen, d.h. das Sakrament zu spenden, das Christus eingesetzt hat und das die Kirche spendet, wenn sie tauft. Wenn jemand also dabei nur die Absicht hätte, einen Scherz zu machen oder vom Leib irgendeinen Schmutz abzuwaschen, beginge er eine sehr schwere Sünde, und der arme Mensch wäre dann nicht wirklich getauft.

S: Welche Wirkungen hat die Taufe?

L: Sie hat drei Wirkungen. Erstens erneuert sie den Menschen vollkommen, indem sie ihm die Gnade Gottes verleiht, durch die er von einem Kind des Teufels zu einem Kind Gottes wird und von einem Sünder zu einem Gerechten. Sie wäscht die Seele nicht nur von jedem Makel der Schuld rein, sondern befreit sie auch von jeder Strafe der Hölle oder des Fegfeuers, so dass jemand, der sofort nach der Taufe sterben würde, direkt ins Paradies käme, so als ob er nie eine Sünde begangen hätte. Zweitens hinterlässt die Taufe in der Seele ein bestimmtes geistiges Zeichen, das man in ihr in keiner Weise wieder auslöschen kann. Deshalb wird man auch bei denen, die in die Hölle kommen, noch erkennen, dass jemand die Taufe empfangen und zur Herde Christi gehört hat, so wie man in dieser Welt an einer Brandmarke erkennt, wem bestimmte Sklaven oder Tiere gehören. Das ist auch der Grund, warum man die Taufe nur ein einziges Mal empfangen kann: Sie geht nie verloren, denn die Wirkung dieser Taufe bleibt allezeit in die Seele eingeprägt. Drittens tritt dieser Mensch durch die Taufe in die heilige Kirche ein, er hat als Kind dieser Kirche an all ihren Gütern Anteil und er bekennt öffentlich, dass er ein Christ ist und denen gehorchen will, die die Kirche an Christi Stelle lenken.

S: Wessen Sache ist es an sich, die heilige Taufe zu spenden?

L: Von Amts wegen ist es die Sache des Priesters, besonders dessen, der an einem Ort für die Seelsorge verantwortlich ist. Wenn aber der Priester nicht da ist, ist es die Aufgabe des Diakons, und im Notfall, d. h. wenn die Gefahr besteht, dass das Kind ohne Taufe stirbt, ist es die Aufgabe eines jeden, Priester oder Laie, Mann oder Frau. Stets hat man dabei jedoch die Ordnung zu wahren, dass die Frau nicht tauft, wenn ein Mann da ist, und dass ein Laie nicht tauft, wenn ein Kleriker anwesend ist, und bei den Klerikern hat der höhere Rang stets den Vortritt.

S: Mich wundert, dass die Taufe Neugeborenen gespendet wird, die doch das, was sie empfangen, gar nicht verstehen.

L: Die Taufe ist so notwendig, dass jemand, der stirbt, ohne sie empfangen zu haben oder sie wenigstens zu begehren, nicht ins Paradies kommen kann. Weil aber die kleinen Kinder besonders in Gefahr sind zu sterben und zugleich unfähig, die Taufe zu begehren, ist es erforderlich, sie sobald wie möglich zu taufen. Sie verstehen zwar nicht, was sie empfangen, doch die Kirche ersetzt es. Sie antwortet nämlich anstelle des Kindes durch den Mund des Paten oder der Patin und gibt Versprechen ab, und das genügt. Denn wie wir durch Adam in die Sünde und die Ungnade Gottes gefallen sind, ohne dass wir irgendetwas davon gewusst hätten, so begnügt sich Gott damit, dass wir durch die Taufe und die heilige Kirche von der Sünde befreit werden und in seine Gnade zurückkehren, auch wenn wir uns dessen zu dem Zeitpunkt nicht bewusst sind.

S: Sie haben den Paten und die Patin erwähnt. Was genau ist das, und was ist ihre Aufgabe?

L: Nach altem Brauch der Kirche braucht man zur Spendung der Taufe einen Mann, der Pate heißt, eine Art zweiten Vater, und manchmal eine Frau, die Patin heißt, eine Art zweite Mutter. Diese beiden oder einer von ihnen hält das Kind auf dem Arm, während es getauft wird, und antwortet an seiner Stelle, wenn der Priester es fragt, ob es getauft werden will und ob es die Artikel des Glaubensbekenntnisses glaubt usw. Wenn das Kind dann heranwächst, sind Pate und Patin verpflichtet, dafür zu sorgen, es im Glauben und den guten Sitten zu unterweisen, falls Vater und Mutter darin nachlässig sind. Außerdem ist zu beachten, dass sie durch die Taufe die geistlichen Verwandten des Täuflings und seiner Eltern werden, und zwar sowohl der Tauf Spender als auch Pate und Patin, jedoch diese nicht untereinander.