Schöpfung

18. März 2020

Aus dem Nichts!

   Gerne habe ich im Religionsunterricht, als das Thema "Schöpfung" auf dem Plan stand, einen Film gezeigt, vom dem ich sehr begeistert bin. Jeder einzelne Schöpfungstag ist natürlich inhaltlich so dicht, dass er eine oder sogar 2 ganze Unterrichtsstunden in Anspruch nahm. 

Beeindruckend finde ich bei dem Film, der von 2010 ist und in Österreich seine Premiere hatte, dass er nicht mit dem Schöpfungsbericht aus dem Alten Testament beginnt, den wir ja alle kennen ("Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde, Gen 1,1). Er beginnt mit dem Prolog des Johannesevangeliums:

   "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist." (Joh 1, 1-3).

   So wird dort besonders klar, dass Gott die Welt wahrhaftig aus dem Nichts erschaffen hat. Vor allem meine Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf haben das besonders gut verstanden, vielleicht eher mit dem Herzen verstanden.

   Im Anfang war NICHTS, absolut gar nichts. Gott nahm nicht irgend etwas in die Hand, um etwas zu machen, so wie etwa Ton oder Knete. Wie kann man denn aus NICHTS was machen? Wenn da NICHTS war, aus was hat Gott denn die Welt erschaffen? 


   "Und Gott SPRACH." Er hat etwas gesagt. "ES WERDE!" und es wurde! Er hat es ausgesprochen, und es war da, als erstes das Licht. Sein WORT hat also eine solche Schöpferkraft, dass das Ausgesprochene Materie wird, Gestalt annimmt. Wow! 

   Und so mit allem, mit der ganzen Schöpfung. Seine ganze Kreativität hat er hineingelegt, um es uns schön zu machen, ER hat das alles für uns geschaffen - Erde, Himmel, Wasser, Pflanzen, die schönsten Landschaften, die filigransten Blumenblüten, die interessantesten Tiere - alles für uns.

   Hier dieser wunderschöne Film, ein Großprojekt, das in 98 Sprachen übersetzt ist und seit 2014 die Erde umrundet.
(Der eigentliche Film beginnt bei 42:35, davor gibt es noch einen schönen Vortrag).





26. März 2020

Die Erschaffung des Menschen



   Am 6. Tag schuf Gott den Menschen. Er schuf ihn, nachdem er alles andere geschaffen hatte. Es sollte für den Menschen alles schön sein, alles vorbereitet, alles zu seiner Freude. Vielleicht könnte man es sich vorstellen wie die Vorbereitung eines großen Festes: es wird die schönste Deko ausgepackt, der Tisch wird geschmückt, die leckersten Speisen werden zubereitet, vielleicht wird ein schönes Programm vorbereitet mit Musik- oder Tanzeinlagen, vielleicht mit einer netten Rede - alles, damit die Gäste sich wohlfühlen.




   Natürlich hinkt dieser Vergleich, denn bei Gott ist es noch viel mehr!

   Er hat sich das Beste für zum Schluss gelassen, hat den besten Moment für die Krönung Seiner Schöpfung aufgespart, denn so hatte Er sich uns ausgedacht: als das Beste, das Er je erfunden hatte.

   Nachdem Gott alles aus dem Nichts erschaffen hatte, nimmer Er nun etwas in die Hand: Erde. Er nimmt regelrecht Erde und beginnt, sie zu kneten, zu formen. Darum heißt "Adam" auch übersetzt "von der Erde genommen". Daran erinnern wir uns beim Aschenkreuz am Aschermittwoch: "Von Staub bist du genommen zu Staub kehrst du zurück." Damit wird demütig, sozusagen "auf dem Teppich" bleiben.

   
"Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen. Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie." (Gen 1, 26-27)

   Da steht "lasst uns", "als unser Bild", "uns ähnlich". Wer ist dieses "WIR"? Es ist der dreieinige oder auch dreifaltige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, die von jeher sind, ohne Anfang und Ende, vor aller Zeit. Ein Gott in drei Personen, die sich gegenseitig durchdringen, vervollständigen, in unendlicher Liebe vereint sind. Der Katechismus der Katholischen Kirche schreibt hierzu: 

   "Zwar hat Gott in seinem Schöpfungswerk und in seiner Offenbarung im Laufe des Alten Bundes Spuren seines trinitarischen (dreifaltigen) Wesens hinterlassen. Aber sein innerstes Wesen als heilige Dreifaltigkeit stellt ein Geheimnis dar, das der Vernunft nicht zugänglich ist und vor der Menschwerdung des Sohnes Gottes und der Sendung des Heiligen Geistes auch dem Glauben Israels unzugänglich war. (237). 

   Vielleicht war auch schon die heilige Jungfrau Maria bei der Schöpfung anwesend, bei der Erschaffung der Welt und, ganz besonders, bei der Erschaffung des Menschen. Wird doch Maria als "Sitz der Weisheit" bezeichnet und mit König Salomo in Verbindung gebracht, der sagt, als er Gott um Weisheit bittet: 

   "Mit dir ist die Weisheit, die deine Werke kennt und die zugegen war, als du die Welt erschufst. Sie weiß, was wohlgefällig ist in deinen Augen und was recht ist nach deinen Geboten." (Pred 9,9).

   
Wer weiß das schon. Hier zählt nur eins: Gott wollte nicht allein sein. Er ist zwar drei Personen in einer, wichtiger ist Ihm jedoch Seine Sehnsucht, uns, den Menschen, in Sein Geheimnis, in Seine Liebe mit hinein zu nehmen. Er wollte ein Du, ein Gegenüber, einen Ansprechpartner, der Ihn lobt und preist und Ihm dankt für all das Schöne, das Er uns geschenkt hat in Seiner Schöpfung! 

   "Nach Seinem Abbild", das bedeutet: der Mensch nimmt in der Schöpfung eine einzigartige Stellung ein. "Von allen sichtbaren Geschöpfen ist einzig der Mensch ,,fähig, seinen Schöpfer zu erkennen und zu lieben"; er ist ,,auf Erden das einzige Geschöpf ... das Gott um seiner selbst willen gewollt hat"; er allein ist berufen, in Erkenntnis und Liebe am Leben Gottes teilzuhaben. Auf dieses Ziel hin ist er geschaffen worden, und das ist der Hauptgrund für seine Würde", nach dem die hl. Katharina von Siena fragt (356):
  
Foto:  Creative Commons Zero - CC0
   Was war der Grund, weshalb Du den Menschen zu einer so großen Würde erhoben hast? Die unschätzbare Liebe, mit der Du Dein Geschöpf in Dir selbst angeblickt und Dich in es verliebt hast, denn Du hast es aus Liebe erschaffen, aus Liebe hast Du ihm eine Natur gegeben, die an Dir, dem Ewigen Gut, Freude zu empfinden vermag" (Katharina v. Siena, dial. 4,13).  

   "Weil er nach dem Bilde Gottes geschaffen ist, hat der Mensch die Würde, Person zu sein; er ist nicht bloß etwas, sondern jemand. Er ist imstande, sich zu erkennen, über sich Herr zu sein, sich in Freiheit hinzugeben und in Gemeinschaft mit anderen Personen zu treten, und er ist aus Gnade zu einem Bund mit seinem Schöpfer berufen, um diesem eine Antwort des Glaubens und der Liebe zu geben, die niemand anderer an seiner Stelle geben kann." (357



   Und wozu ist der Mensch erschaffen worden? Diese Frage mussten früher die Kinder im Katechismus lernen.

   "Gott hat alles für den Menschen erschaffen‘, aber der Mensch selbst ist erschaffen worden, um Gott zu dienen, ihn zu lieben und ihm die ganze Schöpfung darzubringen."

   Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen! Der hl. Johannes Chrisostomus schreibt hierzu in einer Predigt über den Schöpfungsbericht:

"Welches ist das Wesen, das in solchem Ansehen geschaffen ist? Es ist der Mensch, die große, bewundernswerte lebendige Gestalt, die in den Augen Gottes wertvoller ist als alle Geschöpfe. Es ist der Mensch; für ihn sind der Himmel und die Erde und das Meer und die gesamte Schöpfung da. Auf sein Heil legt Gott sosehr Wert, dass er sogar seinen eingeborenen Sohn für ihn nicht verschont hat. Gott zögerte ja nicht, alles ins Werk zu setzen, um den Menschen zu ihm aufsteigen und zu seiner Rechten sitzen zu lassen" (Johannes Chrysostomus, serm. in Gen. 2,1). (358)

   Wenn wir das betrachten und durchbeten - wer sind wir, wenn wir dann immer noch meinen, der Mensch stamme vom Affen ab?